Sonntag, 21. März 2010

13. -14.03.2010 Kleinmond

Wieder was erfreulicheres. 

Am letzten Wochenende war ich dann mal wieder weg. Hatte Christelle vom dem Paar aus Wilderness geschrieben gehabt, worauf diese mich direkt dazu eingeladen hat, sie am Wochenende zu ihren Eltern nach Kleinmond, ca. 100 km östlich von CT, zu begleiten. John musste zu Hause bleiben, da er Ende des Monats Prüfung hat und lernen musste. Ich wurde von John letzten Freitag abgeholt und wir sind zu ihrem Haus nach Durbanville, in den Northern Suburbs, gefahren. Als erstes wurde mir kurz das Haus gezeigt und dann ging es auch schon los. Die Fahrt war sehr schön. Die Straße, die nach Kleinmond führt, liegt direkt an der Lagune und man hat einen geilen Blick. Christelle und Ich haben uns viel unterhalten.
Bei ihren Eltern angekommen wurde ich erstmal herzlich begrüßt und es wurde die Regel aufgestellt, dass nur Englisch in meiner Anwesenheit geredet werden darf. Dazu muss man wissen, dass die Familie Afrikaans ist, also burenstämmig. Normalerweise reden sie nur Afrikaans und ich musste sie mehrmals daran erinnern, dass sie bitte Englisch reden sollen. Aber inzwischen verstehe ich bisschen was von Afrikaans. So weit entfernt ist es von Deutsch gar nicht und wenn man sich reingehört hat, versteht man vieles. Meine 5 Wörter Dutch, die ich kann, haben auch weitergeholfen (Fietse und Taal z.B.)
Es gab Abendessen und dann ging es auch schon wieder los. Christelle, ihr Bruder Stefan, seine Freundin (nicht feste) Natascha und Ich fuhren nach Gordons Bay (bei CT). Dort sollte ein ganz guter Gitarrist auftreten. Ist er auch, aber in dem Club, in dem das ganze stattgefunden hat, war es verraucht, dass die Luft stand. Deswegen haben wir uns nur draußen hingesetzt und was getrunken. Da es aber allen nicht so wirklich super gefiel, ging es weiter nach Strand. Doch die Hoffnungen dort einen kleinen, schönen Club zu finden, wurden enttäuscht. Also ging es in einen kleinen Pub, um noch was zu trinken. Da die anderen am nächsten Morgen früh raus mussten, ging es anschließend wieder zurück.
Christelle und Ich konnten relativ entspannen. Wir sind beide relativ früh aufgewacht. Gegen 10 Uhr haben wir uns aufgemacht zu den Laden ihrer Eltern. (Sie verkaufen eigentlich Hühnchen, aber hatte eigentlich alles an Fleisch im Angebot) Dort sollten wir theoretisch aufpassen, damit die Mama nicht allein ist, weil der Papa in Hermanus war und Stefan Natascha zur Arbeit bringen sollte. Also wir ankamen, kam der Papa jedoch gerade wieder. Also waren wir nicht lange da. Wir sind noch zum Hafen gefahren, haben Natascha besucht und waren was Essen.
Man hätte eigentlich ziemlich viel machen können, das Problem war, dass das Wetter leider ziemlich schlecht war. Es war völlig bewölkt und hat zwischendurch immer mal geregnet. Christelle hatte die Idee, dass wir einfach nur eine DVD ausleihen und die schauen sollten. Gesagt, getan. „Two Lovers“, ein Drama mit Joaquin Phoenix, war letztlich der Gewinner. War aber nicht so gut, wie der Text versprach. Während wir den Film schauten, kamen die Mama und eine Freundin. Also wurde anschließend mal wieder die Hochzeits-DVD geschaut. (Insgesamt hab ich sie während der 2 ½ Tage 4 Mal gesehen, weil immer jemand anderes da war, der sie sehen wollte. John und Christelle haben ja erst am 19.12. geheiratet und die DVD jetzt erst bekommen gehabt. Ich fands aber nicht schlimm, sie so oft anzuschauen.)
Da sich das Haus nach und nach füllt und es Christelle zu viel wurde, sind wir noch mal losgefahren. Zuerst sind wir nur bisschen rum gefahren. Am Ende sind wir doch am Strand gelandet und haben einen kleinen Spaziergang gemacht. Christelle und Ich haben uns wirklich gut unterhalten über die zwei Tage. Insgesamt waren die Gespräche mit der gesamten Familie ziemlich interessant. Meistens ging es über Gott (sie waren sehr christlich) oder Südafrika (u.a. das Verhältnis zu den Schwarzen, Politik) Hab bei weitem nicht alle ihre Ansichten geteilt, aber es ist schwer mit ihnen zu diskutieren. Ich wollte erstens nicht unfreundlich wirken und zweitens meinten sie eh die ganze Zeit über, dass ich nach 7 Monaten noch keine Ahnung von dem Land hätte und nichts über die Geschichte wisse. Sie hatten teilweise ein paar rassistische Ansichten. Nicht, dass sie jetzt eine Rasse als besser angesehen hätte, aber die Familie war der Meinung, dass sich die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nicht vermischen sollten. Das heißt Schwarze nur Schwarze heiraten sollten, Coloured nur Coloureds und Weiß nur Weiß. Sowie es rüberkam wäre es da sogar noch am besten wenn Afrikaans – Afrikaans stämmige und Englisch-Englisch stämmige heiraten würden. Aber das ist nicht so wichtig. Auch was sie teilweise gesagt haben, fand ich bisschen zu extrem. Aber sie gehören eben zu Buren. Viele Buren haben derartige Ansichten. Ich denke, dass wohl das einer der Gründe sein wird, weshalb die Buren ziemlich verhasst unter den Schwarzen sind. Der zweite Grund ist, dass ihnen die ganze Schuld der Apartheid und für das jetzt immer noch anhaltende Leiden zur Last gelegt wird. Klar stimmt das teilweise, aber die Englischstämmigen haben ebenso von der Apartheid profitiert und nichts dagegen unternommen. Und die anhaltenden Leiden und enttäuschten Versprechungen gehen eher von der Regierung aus. Mandela meinte relativ am Anfang als Präsident, dass bis 2010 jeder in den Townships ein eigenes Haus haben wird. Auch die weiteren Präsidenten haben das nicht revidiert. Jetzt haben wir 2010 und es ist klar, dass auch bis Ende des Jahres nicht jeder Township-Bewohner ein Haus haben wird. Es gibt einfach noch viel zu viele Shacks. Im Moment wird gerade daran gearbeitet, die Reihen entlang der N2 zu „bereinigen“. Südafrika will zur WM unbedingt ein gutes Bild abgeben und Shacks gehören da eben nicht rein. Also werden entlang der Straße (man fährt an den Townships vorbei, wenn man vom Flughafen nach Kapstadt reinkommt) Häuser gebaut und 7 Reihen dahinter, fangen dann die Shacks wieder an. Gerade wird eh alles auf die WM ausgerichtet. Die Straßen werden ausgebaut, bessere Beschilderung und alles. Das Geld, was teilweise verschwendet wird, könnte besser eingesetzt werden. Doch die größte Verschwendung passiert immer noch in der Regierung selbst. Ende des letzten Jahres hat Zuma (aktueller Präsident) eine Luxus-Party für 17 Millionen Rand gefeiert. Ein Haus im Township kostet zwischen 10 – 15 000 Rand. Also kann man damit ausrechnen, wie viele Häuser stattdessen gebaut hätten werden können.
Aber wieder zurück zum eigentlichen Thema. Trotz allem war die Familie super nett. Nachdem die Hochzeits-DVD zu Ende war, sind Christelle und Ich zu ihrem Opa gefahren. Ihr Opa hat Krebs und wohnt gemeinsam mit seiner Frau (also ihrer Oma ) in einer Art betreutem Wohnheim mit angeschlossener Klinik. Die Leute wohnen jedoch nicht zusammen in einem Haus, sondern haben jeder ihr eigenes Haus, in einem abgezäunten Bereich, wo sich halt der Rest befindet.
Vor dem Besuch wurde ich von Christelle gewarnt, dass ihr Opa wahrscheinlich nicht viel mehr als „Hallo“ und „Tschüß“ sagen wird. Wir waren vielleicht 1 ½ Stunden da und wenn nicht gerade wieder Christelle ihrem Opa den Kopf gewaschen hat, hat ihr Opa geredet. Wirklich die ganze Zeit über. Er hat mir bisschen was von seiner Familie erzählt und von seinem Leben. Ich fand ihn voll toll und nett. Und scheinbar hat er mich auch gemocht, weil er eben geredet hat.
Wieder zurück zu Hause, wurde spontan entschieden doch noch nach Hermanus zum Feiern zu fahren. Eigentlich war das schon wieder abgesagt gewesen, aber jetzt wurde entschieden, doch noch zu fahren. Also fertig machen und ab ging es. Der Club in dem wir waren, war für mich etwas komisch. Ich bin es inzwischen von hier gewohnt, einen Mix an Leuten zu haben. In dem Club gab es ledigliche Weiße und dann auch noch in der Überzahl Frauen (an diesem Abend fanden zwei Junggesellenabende von Frauen statt). Die einzigen beiden Schwarzen, waren eine Putzfrau und ein Typ, der die ganzen Flaschen weggeräumt hat. Die Musik war auch nicht so toll. Anfang wurde noch House gespielt (ist hier hauptsächlich so), aber es ging dann in einen schlechten Elektro über. War bisschen schade. Trotzdem hatten wir viel Spaß. Ich hab von Christelle viel ausgegeben bekommen und das verbessert doch gleich den Abend ;-). (Nein. Ich war nicht betrunken.) Insgesamt wurde mir eigentlich alles ausgegeben an diesem Wochenende. Das ist so in Südafrika. Wenn man jemanden zu irgendwas einlädt (auch zum Urlaub oder so), dann heißt das, dass man bezahlt. Jedenfalls ist das so, wenn der eine „reicher“ ist als der andere. Ist eine nicht schlechte, aber manchmal sehr einseitige Sache. Gegen 2 waren wir dann wieder zu Hause.
Am nächsten Morgen haben wir alle entspannt. Eigentlich war geplant in die Kirche zu gehen. Das Problem wäre gewesen, dass der gesamte Service in Afrikaans gewesen wäre und ich da eben nicht so viel von verstanden hätte. Dementsprechend wurde das abgesagt. So gab es dann gegen 1 Uhr ein Festmahl (jedenfalls nach dem, was ich inzwischen gewöhnt bin). Zur Hauptspeise gab es Gulasch mit Kartoffel-Kürbis-Mix und Gemüsereis (Kartoffeln sind hier nur Beilage). Als Nachtisch gab es zwei verschiedene Wackelpudding und einen Vanille- sowie einen Schokopudding, Konnte meinen Bauch also schön vollschlagen. Nach dem Essen ging es dann nämlich schon wieder nach Durbanville und anschließend gemeinsam mit John nach Diep River zurück. Das Wochenende war echt schön und ich hatte sehr viel Spaß und hab sehr viele neue Aspekte und Einsichten in das Leben einer anderen Bevölkerungsgruppe bekommen.

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