Freitag, 2. Oktober 2009

Hermanus 26./27.9. und die Woche danach

Heyho!

Schon wieder ist eine doch relativ ereignisreiche Woche rum.
Letzte Woche Dienstag ging es weiter mit arbeiten. Die Kids haben sich total gefreut, dass ich wieder da bin. (So geht es aber immer wenn ich komme, also Mittwoch, Montag und heute was es dasselbe. Voll süß und lustig..) Der Tag an sich ging aber nur bis 12 Uhr, da die Schule eher Schluss hatte und wir dann eben auch abgeholt werden. (Die Schule ist 2 Straßenecken weiter.) Aber ich find es nicht sooo schlimm eher abgeholt zu werden, wenn es nicht immer ist. Auf jeden Fall haben wir den freien Nachmittag genutzt, um an den Strand zu fahren. Eigentlich wollten wir nach Kalk Bay fahren, aber waren dann doch „nur“ in Muizenberg und haben Jonas beim Surfen zugeschaut. Hatte aber trotzdem einen kleinen, aber feinen Strandspaziergang allein.
Mittwoch begann genauso wie Dienstag auch mit Kindergarten. Das „normale“ Programm, diesmal auch wieder nur bis halb 1, da der letzte Schultag vor den Ferien war. Hanna und Ciri aus meinem Haus haben sich extra traditionell angezogen, weil sie ein Fest bei sich in Lukhanyo (anderer Kindergarten) hatten, aber bei uns lief nichts Außergewöhnliches. Das einzige war, dass wir, als wir gegangen sind, jeder ein Stück selbstgemachte Thunfisch Quiche bekommen haben. War saulecker.  Am Abend waren dann ein paar von den Leuten aus Plumstead da und wir haben gechillt und den Film „Der Teufel trägt Prada“ geschaut. (Wir schauen irgendwie andauernd Filme :-D Aber wir haben eben kein Fernseher….
Donnerstag Morgen begann relativ früh, im Angesicht der Tatsache, dass wir theoretisch frei gehabt hätten. Der 24. September ist in Südafrika Heritage Day und damit ein Feiertag. Beim Heritage Day geht es darum das Erbe der alten und traditionellen Kulturen zu erhalten und auszuleben (wie z.B. das der Xhosa). Dafür haben wir zum Beispiel auch die Quiche bekommen und dafür war auch das Fest. Ich weiß nicht, ob in den Townships irgendwas abging, aber kann ich mir gut vorstellen. Bei uns hat man gar nichts gemerkt. Wir hatten stattdessen einen Workshop über den Umgang mit Babies. Geleitet wurde der Workshop von einer Norwegerin, die ca. ein- bis zweimal pro Jahr herkommt und solche Workshops gibt. Es ging darum, was das Baby uns gibt und was wir dem baby geben müssen, besonders im Kindergarten. War schon interessant, aber teilweise bisschen langwierig. Danach bin ich nach Haus gelaufen und war zum ersten Mal in „unserem“ Bäcker. Endlich mal ein leckeres Brötchen, anstatt immer nur Toast. War schon cool. :-D Den Abend habe ich zu Hause gebracht und bin relativ früh ins Bett.
Freitag hätten wir theoretisch wieder arbeiten gemusst, aber wir hatten einen weiteren Workshop. Dieser wurde geleitet von Tobi, einem der Leute, die hier für uns zuständig sind, und ging um (Baby-) Massage. Wir haben ein paar Massage-Techniken gelernt, die wir bei den Kiddies anwenden sollen, damit sie die Berührung bekommen und teilweise um sich zu beruhigen. (Kann für beides verwendet werden). An sich kann man die Massagetechniken aber an jedem anwenden. Ist ganz cool und entspannend. Der Workshop wird auch noch weitergehen. Einerseits kommt Tobi in die Kindergärten, um vor Ort mit uns zu arbeiten und andererseits haben wir ca. einmal pro Monat so einen Workshop, wo wir das an uns gegenseitig ausprobieren. Das ganze dauerte bis ca. 2 Uhr. Da wir danach somit noch genug Zeit hatten, sind Ciri, Isi, Aline, Paul und Ich in die Blue Route Mall gefahren. Das ist echt mal eine schöne Mall (auch wenn das Äußere nicht ganz so scheint). Es gibt viele schöne Geschäfte. Ich habe aber bis auf ein paar Schuhe nichts gekauft. (Aber die Schuhe auch nur, weil sie einen tollen Gitarren Aufdruck hatten. Da musste das einfach sein :-D .. für 7,50 € ) Auf jeden Fall ist es dort echt cool und wir haben das Kino gefunden, in das Paul, Leo, Hanna und Ich vor ein paar Wochen gehen wollten… Der Abend wurde im Internetcafé und mit Bad putzen verbracht. Bis es dann gegen 11 Uhr ins Bett ging. Es stand mein erster Urlaub bevor.

Der Samstag begann um 7.45 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück ging es los zur Bahn, die wir zum Glück gerade noch so bekommen haben. (mit Sprinten  ) In Kapstadt sind wir umgestiegen (nachdem wir erstmal festgestellt hatten, dass unser rausgesuchter Fahrplan vollständig falsch zu sein schien,) und dann ging es weiter nach Bellville. Dort empfing uns eine Art Ghetto, war schon irgendwie krass, aber auch irgendwie lustig. Auf der Suche nach dem Abfahrtsortes unseres Mini-Taxis kamen wir auch über eine Art Markt, wo ein Rastafari (Schwarzer mit Rastas. Ist hier irgendwie so eine eigene Art Religion, laut dem Reisführer) irgendwelche Knollen und Wurzeln verkauft hat, von denen er meinte, dass man sie rauchen kann. Wir mussten so darüber lachen, dass so was einfach mal eben in aller Öffentlichkeit angeboten wird. Wir haben es aber doch gelassen  Weiter ging es. Nach einer kurzen weitern Suche, hatten wir das Taxi dann endlich gefunden und mit uns war es zum Glück auch voll, so dass wir relativ schnell los fahren konnten. Gleich in Kapstadt standen wir im ersten Stau und am Ende noch mal. Das war nicht ganz so cool. Etwas anderes außergewöhnliches war die Polizei-Kontrolle auf der Strecke. War zwar eine ganz normale Kontrolle, wie wir sie in Deutschland auch kennen (die Erste Hilfe – Box hat gefehlt, wo für auch Strafe bezahlt werden musste), aber hier sind solche Kontrollen eigentlich nicht üblich und es war sehr Zeit aufwendig. (Mindestens eine halbe Stunde..) Nach 4 Stunden Hinfahrt kamen wir dann endlich in Hermanus an. Als erstes haben wir nach unserem Backpackers Ausschau gehalten. Obwohl ich nur einen kleinen Ausschnitt aus einem Routenplaner angeschaut hatte, konnt ich mich doch einigermaßen orientieren und nach einem kurzen Spaziergang waren wir auch schon da. Schon beim reinkommen, gefiel uns die Atmosphäre. Die Leute waren echt cool drauf und nett und die Zimmer waren richtig geil. Endlich ein ordentlich breites (normales) Bett mit dicker Matratze und dicker Decke. Im Gegensatz zu unserem zu Hause kein Vergleich. Wir haben nur kurz unsere Sachen abgelegt und dann ging es auf Richtung „Festivalgelände“ entlang der Küste. Das ganze dauerte nur 10 Minuten, aber während dieser zeit haben wir schon die ersten 3 Wale gesehen. War schon was cooles. Leider war das Wetter nicht wirklich berauschend. Es zog sich immer weiter zu und fing auch bald zu regnen an. Wir haben uns aber nicht ablenken lassen und sind weiter gegangen. Im Handwerks-Zelt haben verschiedne Händler ihre Waren angeboten. Waren schöne Dinge mit dabei, aber jetzt nicht so tolles, dass man es unbedingt holen müsste. Anschließend haben wir uns erstmal gestärkt und waren danach für den Abend einkaufen. Ich habe den Einkauf danach ins Backpackers geschafft, während die anderen die Küstenlinie noch weiter abgegangen sind. Ich bin dann wieder zurück und habe mir die weiteren Zelte aufm Gelände angeschaut. Im Musikzelt hat gerade irgendeine Cover-Band gespielt und man kam nicht mehr rein, also bin ich nur kurz durchs „Fress-Zelt“ und an dem traditionellen Markt vorbei. War aber fast nichts mehr los, weshalb ich nur noch mal kurz die Umgebung abgecheckt habe und dann zurück zu den anderen ins Backpackers. Dort hatten wir eine Bar mit kostenlosem Billard und Shisha Rauchen. Also haben wir alle gemeinsam dort gechillt (die Plumsteader, die mir ihrem Auto da waren und eigentlich im Zelt schlafen wollten, waren auch da. Am Ende haben 3 von den 5 Leuten mit im Backpackers gepennt, weils in ihr Zelt geregnet hatte). War echt ein schöner Abend. Wir haben uns mit anderen Deutschen (waren doch schon viele) und ein paar anderen Leuten unterhalten. Gegen Mitternacht sind Isi, Fayette und Anton noch mal los, um in einen Club zu gehen. Soll aber echt shit gewesen sein. Wir waren noch kurz in der Bar, sind dann aber bald ins Bett. Ich bin am Sonntag dann um 7 aufgestanden, um auch bisschen was von der Stadt mitzukriegen. Ich bin aber nur den Küstenstreifen lang gelaufen. Obwohl das Wetter besser war, schienen die Wale noch zu schlafen. Hab zwar doch noch den einen oder anderen Wal gesehen, aber eben nicht so viele. Insgesamt war es aber ein schöner und gemütlicher Spaziergang am Meer entlang. Vor allem Dingen auch entspannend, wenn man niemanden um sich herum hat und eben dazu die wirklich absolut geile Landschaft um Hermanus. Nach 2 Stunden am Meer, hab ich noch mal die Stadt angeschaut – sehr beschaulich. Außerdem hab ich mir endlich ein Xhosa -Englisch Wörterbuch geholt. Das hatte ich schon länger vorgehabt, aber die, die ich bisher gefunden habe, wären zu schwer und zu teuer gewesen. Mein jetziges ist aber ganz cool, nur so Heft mäßig und es hat anstatt 30 nur rund 7 Euro gekostet. Hilft trotzdem weiter. Nach dem Spaziergang bin ich zurück in Backpackers, denn dort en gab, im Preis inbegriffen, Frühstück. Dieses bestand aus Toastbrot (das billigste und eigentlich einzige Brot, das wir hier essen), Marmelade und Butter. Aber besser als gar nichts und dazu eben im Preis mit drin. Als wir fertig mit frühstücken waren, haben wir uns aufgemacht. Da niemand mit mir mit wollte, bin ich allein ins Musik-Fest-zelt gegangen, denn dort ist ein Gospelchor aufgetreten. Ich fands echt schön, aber leider mit einer halben Stunde viel zu kurz. Sehr interessant war auch der Unterschied im Publikum. Die weißen Zuschauer saßen einfach nur da, relativ teilnahmslos, und die Schwarzen und Coloureds sind schon ziemlich abgegangen. War schon cool. Ich will auch unbedingt einmal zum Gottesdienst ins Township, dort soll es auch wirklich geil sein. Mal sehen, wie ich das mache. Nach dem leider will zu kurzen Auftritt, hab ich mich wieder mit den anderen getroffen, wir haben uns gestärkt (Ich mich mit einer traditionell deutschen Currywurst. Musste einfach sein. Ich fand das so lustig, dass es die dort gibt) und danach mit Melanie (auch eine von uns Freiwilligen, die schon ein Jahr im Camp Hill Hermanus war) zum Abfahrtsort der Mini-Taxis. Zu unserer Überraschung stand jedoch keines da. Auf Nachfrage haben wir dann erfahren, dass die heute nur ab Nogation fahren. Das Problem war, dass weder einer von uns, noch jemand von den Leuten, die Melanie dort kennt, Nogation kannte. Glücklicherweise kam in dem Moment gerade ein Mini-Taxi, das uns dort hingefahren war. 10 Minuten später befanden wir uns voll gepackt mitten im Township Zwelihle. War schon etwas ein etwas mulmiges Gefühl. Zumal erstmal nichts weiter ging, da eines der Taxis gerade voll war und los fuhr. Nach einer kurzen Diskussion unter den verschiedenen Fahrern, sollten wir uns dann in eines rein setzen. Zu unserer Verwunderung fuhr dieses aber erst mal durch das Township, um noch Leute einzusammeln, die auch nach Bellville wollen. Nach kurzer Fahrt war das Taxi dann auch (über-)voll und es ging los. Leider standen wir als erstes auch gleich wieder im Stau, war aber nicht schlimm. Am Ende dann noch mal, dort wars aber echt cool, denn wir standen mitten aufm Berg und hatten einen super Ausblick über Kapstadt. Von daher hat es nicht so gestört. In Bellville sind wir dann wieder in die Bahn umgestiegen und los ging die Fahrt nach Kapstadt. Es waren sehr viele Leute in der Ersten Klasse, so dass wir nicht zusammen sitzen konnten. (Die Weißen fahren hier Erste Klasse und Schwarze Dritte Klasse. Die Zweite fehlt irgendwie.) Die Männer, die um mich herum waren, diskutierten gerade darüber, ob Michael Jackson oder Elvis größer ist. Fand die Diskussion sehr lustig. Anschließend ging es darum, wer zuerst Kapstadt erobert hat. Ich habe jetzt gelernt, dass das Cameron Diaz war und Vasco da Gama der Zweite, und es folgten mindestens 6 weitere. Das Gespräch wurde von einem Klopfen unterbrochen. Auf einmal sprangen alle auf und rannten nach draußen, Taschen und Einkäufe teilweise zurück lassend. Ich (und auch die anderen) hatten erstmal echt Panik. Ich dachte, dass irgendjemand mit einer Pistole oder so da stehen würde und gleich um sich schießt. Also bin ich im Strom mit raus, Kurz vor der Tür wurde ich von den anderen Mädels aufgehalten. Der Security-Mann auf dem Bahnsteig hatte sie aufgehalten. Wir hätten doch ein Erste Klasse Ticket. Also alles, was passiert ist war, dass die ganzen Leute in der Ersten Klasse saßen ohne ein Ticket dafür zu haben und Kontrolleure kamen. Das Klopfen war die Vorwarnung vom Security-Mann. Also sind alle schnell in die Dritte Klasse gerannt. Hier ohne Ticket bzw. in der falschen Klasse zu fahren, kostet die Schwarzen und Coloureds relativ viel 8Ich weiß aber nicht wie viel). Bei Weißen wiederum ist das kein Problem. Die können entweder ein Ticket nachkaufen (teilweise auch erst am Bahnhof .. oder eben gar nicht). Wobei bei uns Aline sich ein Dritte Klasse Ticket gekauft hatte und Melanie eines von einer Woche zuvor hatte – es wurde gar nicht erst bemerkt. Die restliche Fahrt verlief dann ohne weitere Komplikationen, so dass wir gegen halb 7 zu Hause waren.

Montag war eine meiner Erzieherinnen im Kindergarten nicht da. War gar nicht so schlecht. Ich hab zum ersten Mal mit Windeln gewechselt (nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung ;-) ) und halt so weit geholfen, wie ich konnte. War anstrengender als sonst, aber ging noch. Dienstag und Mittwoch verliefen dann wieder normal. Ich hab mit den Kiddies gespielt, sie gefüttert und so weiter. Außerdem hab ich es sogar geschafft, die Kiddies auch mit auf dem Hof spielen zu lassen. Ein großer erster Erfolg.
Am Mittwoch Abend kamen Simon und Christof. Die beiden sind auch Freiwillige über weltwärts und wir hatten sie im Backpackers im Hermanus kennengelernt. Sie arbeiten in der Nähe vom südlichsten Punkt Südafrikas in einer Behinderten-Schule und waren gerade hier im urlaub. Sie hatten uns gefragt, ob sie eventuell einen Tag mal mit uns arbeiten gehen könnten und ich alle Zustimmungen eingeholt hatte, sind sie am Donnerstag mitgekommen. Donnerstag fand außerdem für die Erzieherinnen ein Workshop im Centre statt. Also waren wir drei (Simon, Christof und Ich) in meiner Gruppe allein auf uns gestellt. Schon etwas schwierig, wenn keiner nachschauen kommt, man kein Wort Xhosa spricht, den Tagesablauf nicht wirklich kennt und vor allem Dingen auch nicht weiß wem welche Tasche gehört, dort aber der Joghurt zum Snack drin ist. Naja .. es ging mehr oder minder. Hab ein paar Kindern den falschen Joghurt gegeben, eine hatte am Ende gar keinen mehr, da eine Tasche gefehlt hat, weil sie in einer anderen Gruppe war. Aber irgendwie hab ich bzw. haben wir es doch hinbekommen. Als wir abgeholt wurden, war ich echt ziemlich geschafft. Theoretisch hätten wir am Nachmittag unsere erste Xhosa-Stunde haben sollen, leider gab ein paar Abstimmungsprobleme bei der Zeit, weshalb die Stunde ausgefallen ist. Stattdessen haben wir eine weitere Stunde Craft (Handarbeit) gehabt, in der wir angefangen haben Kissen für die Babies zu machen. Hat eigentlich echt Spaß gemacht. Heute haben wir die dann beendet und Bälle angefangen zu nähen. (Decken haben wir schon. Die haben wir alle gestern Abend alle noch beendet. Sah sehr lustig aus, wenn da 7 Leute sitzen und eine Decke nähen). Ansonsten war der Tag heute relativ „gechillt“ und kurz. Die Erzieherinnen waren wieder da, ich hab wie sonst geholfen und wurde schon vorm Mittagessen abgeholt.
An sich läuft alles hier. Es macht Spaß und die Arbeit ist echt super. Aber ich finde es immer noch echt anstrengend.

Bis Bald
Grüße
Louise

PS: Fast vergessen. Seit gestern sind wir zu 11 im Haus. Wir haben eine Studentin dazu bekommen, die letztes Jahr über weltwärts im Camp Hill an der West Coast war und jetzt hier im Centre Euritmy (oder wie auch immer das geschrieben wird) studiert. Scheint ganz nett zu sein.

1 Kommentar:

  1. urlaub: gehts dir gut ;) shade, dass du nicht mehr wale gesehen hast, aber wa(h)le(n) hatten wir ja hier erstmal genug :)
    klingt alles sher spannend und ich hoffe du geniest die Zeit.
    Lisa

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